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Wenn die Ruhe Un-Ruhe erzeugt…

In der Corona-Zeit ist viel Ruhe entstanden – viele Möglichkeiten zur Gestaltung des Alltags sind begrenzt und nicht wenige Menschen erleben in dieser möglichen Ruhe eine große Unruhe, die sich auf viele Arten Ausdruck verschaffen kann.

Und viele von uns erleben eine innere Unruhe, wenn es in den Yogastunden zu den Konzentrationsübungen kommt. Immer wieder, mehr oder weniger, praktizieren wir das das Zurückziehen der Sinne, die Konzentration, um in den Zustand der Meditation zu gelangen. Das ist Teil des 8fachen Pfades nach Patanjali.

Wenn du ein Thema mit der (Un-)Ruhe hast, ist dieser Artikel vielleicht hilfreich für dich.


Inhalt

    Etwas Theorie dazu

    Ruhe – RIP, Rest in peace?

    Wenn Patanjali festhält, dass es das Ziel des Yoga sei, „die Wellen im Geiste zur Ruhe kommen zu lassen“, ist das eine echte Ansage für uns Europäer, die mit dem „cogito, ergo sum“ aufgewachsen sind („Ich denke, also bin ich“). Das zur-Ruhe-Kommen unserer Gedanken wäre dann quasi ein existentieller Untergang, eine Art Selbstmord: RIP – rest in peace. Wir sind es doch gewohnt, Gedanken zu haben, die Dinge der Welt zu bewerten und Pläne zu schmieden – wer möchte darauf schon verzichten und wer sind wir, wenn wir nicht denken? Ruhe und Stille lassen sich so kaum aushalten und das eigentlich gewünschte „Abschalten“ ist kaum erreichbar – unsere „Wellen im Geiste“ haben irgendwie auch Vorrang, zumindest sagt uns unser Geist uns das oft.

    Nimm dir jetzt zwei Minuten Zeit, einfach zu sitzen. Ein paar ruhige Atemzüge…

    Die Spannung braucht die Entspannung

    Unser Nervensystem kennt mit dem Sympatikus und Parasympatikus zwei Funktionen: Die Anspannung und die Entspannung – Sonne und Mond („Ha und Tha“ im Hathayoga), vita aktiva und vita passiva (Hannah Arendt), Machen und Loslassen, Steuern und Geschehenlassen, Wachsein und Schlaf.

    Und intuitiv wissen wir, dass Entspannung, Passivität, Loslassen, Geschehenlassen und Schlafen eine eigene Kraft besitzen, auch wenn wir in diesen Zuständen nichts kontrollieren können. Und weil wir es gewohnt sind, zu kontrollieren, wehren wir uns innerlich – auch gegen unsere Vernunft – gegen diese Zustände.

    Nimm dir jetzt zwei Minuten Zeit, einfach zu sitzen. Ein paar ruhige Atemzüge…

    In der Ruhe liegt die Kraft – Vertrauen!

    Ich möchte Patanjali hier kommentieren: Ziel der Yogaübungen ist es, den Geist zur Ruhe zu bringen, DAMIT eine eine andere Kraft wirksam werden kann – Ruhe ist also nicht der Endpunkt, sondern der Beginn von etwas Anderem.

    „In der Ruhe liegt die Kraft“ – wir kennen das. Ein guter Schlaf, und der Schnupfen und der Stress ist weg. Eine gute Urlaubspause, und die Gedanken sind wieder klar und neue, frische Ideen kommen. Re-Creation. Auch nach einer gelungenen Yogastunde.

    Nimm dir jetzt zwei Minuten Zeit, einfach zu sitzen. Ein paar ruhige Atemzüge…

    Was kann ich tun, wenn die Übungen in Richtung Stille und Ruhe eine Unruhe erzeugen?

    Beschäftige dich intellektuell mit diesem Thema

    In den Yamas und Niyamas von Patanjali taucht der Rat auf, sich mit den alten oder guten Schriften zu beschäftigen: „Meditation für Dummies“, „Jetzt!“, „MBSR“ oder ältere Schriften können dich – wie dieser Artikel auch – auf eine andere Spur bringen.

    Übe den „ruhigen Beobachter“

    Wenn du Stille übst, Konzentration oder Meditation – kannst du die Unruhen mit einem ruhigen Geist beobachten. Du kannst dich von der Unruhe davontragen lassen, du kannst sie aber auch achtsam eine Zeit lang beobachten. Das macht einen großen Unterschied!

    Vielleicht leitet deine Yogalehrerin gerade eine andere Übung an und du kannst nicht folgen – ändere die Übung für dich um: Erkunde die Unruhe und erlaube ihr, da zu sein. Gib ihr einen großen Raum.

    Das ist eigentlich der Königsweg: Was da ist, darf da sein.

    Sprich darüber

    Das Gespräch hat eine eigene Kraft. Deine Yogalehrer*innen stehen dir jederzeit zur Verfügung.

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    Inspirationen Geist, Lars

    Buchtipp: „Lieblosigkeit macht krank“ – Gerald Hüther

    Die erste, schon lange verfolgte Entdeckung des Buchautors und Neurologen Gerad Hüthers ist das unglaubliche Potential, mit dem Menschen auf die Welt kommen.

    Daneben stellt er auch fest, dass unsere Potentiale jederzeit entfaltet werden können, weil unser neuronales System grundsätzlich formbar ist (Neuroplasrizität).

    Zur Potentialentfaltung gehört die eigene Entscheidung zur Veränderung sowie ein förderliches, liebevolles Umfeld: Das Konzept der Potentialentfaltung findet Beachtung nicht nur in der individuellen Lebensführung, sondern auch in Schulen und Unternehmen.

    In diesem Buch „Lieblosigkeit macht krank“ blickt Hüther mit diesem Ansatz der Potentialentfaltung auf das Thema Gesundheit: Alle Organismen haben das angeborene Potential zur Gesundheit – allein der Mensch erschafft sich selbst ein Umfeld, das ihn selbst einengt und krank macht. Unsere Zivilisationskrankheiten sind nicht per Virus auf uns übertragen – die erschaffen wir selbst.

    Wenn unsere vielen Impulse, Emotionen und Bedürfnisse gehört und beachtet würden und ganz natürlich in unserem Leben vorkämen, wären wir körperlich und seelisch im Gleichgewicht: gesund. Das wäre ein liebevoller Umgang mit sich selbst, der sich sofort auswirken würde auf unseren Umgang mit anderen Lebewesen und der Natur. Und so entstünde eine menschliche Gemeinschaft, in der das alles selbstverständlich wäre. Wir können schon jetzt damit beginnen.

    Woher kommt die Lieblosigkeit, mit der viele Menschen sich um den Preis ihrer Gesundheit und Entfaltung von ihren lebendigen Impulsen abschneiden? Geschichte, Kultur, gesellschaftliche und ökonomische Vereinbarungen, die noch unbewusst in uns wirken. Ein spannendes Feld: Lieblosigkeit erzeugt Spannungen und Stress – die biologischen Mechanismen der Selbstregulation und Selbstheilung (Immunsystem) kommen aus den Takt.

    Der Schlüssel ist also die liebevolle Achtsamkeit, zu der Gerald Hüther in diesem Buch einlädt.

    Und unsere Einwände „dazu ist keine Zeit“, oder „das geht nicht“ könnten deutliche Zeichen der unbewussten Vereinbarungen sein, aus denen wir uns hinaus ent-wickeln (entwirren) könnten.

    Viel Freude mit dem Buch!

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    Inspirationen Geist, Inspirationen Ethik, Inspirationen

    Sprache schafft Atmosphäre

    In der Coronazeit (April 2021) lese ich im schulischen Kontext viele Mails und mir fällt auf, wie Sprache unbewusst eine Atmosphäre schafft, ein Klima, in dem Gefühle, Gedanken und Handlungen wachsen.

    Aus einem Test mit Kindern wird dein „medizinischer Eingriff“, eine Schule kann „ihrem pädagogischen Impetus nicht mehr nachgehen“, man ist zu diesem und jenem „gezwungen“ und man „bedauert sehr“ und „hofft“. Diese Worte an sich (bitte noch mal lesen) erzeugen eine gewisse Stimmung, nicht wahr? Ein Coronatest könnte auch ein „kollektives Nasenpopeln“ sein, man könnte sich darauf freuen, bald wieder das Potential der Pädagogik für die Kinder auszufahren, man könnte sagen, dass wir Verantwortung übernehmen für andere und sie nicht anstecken wollen (mit Husten, Hepatitis, Corona oder Läusen). Die aktuelle Coronazeit ist sprachlich sehr interessant.

    Wenn wir die Yamas und Niyamas auf unser Sprechen beziehen, werden wir bewusster für die Wirkung unserer Worte und unseres Stimmklangs. Unser Umgang mit Sprache wird achtsamer und wir könnten in der Yogastunde und im alltäglich miteinander bewusst eine gute Atmosphäre schaffen, ein Klima, in dem gute Gefühle, Gedanken, Handlungen und Menschen wachsen.

    Probiere es mal aus: Notiere dir 5 positive Wörter, an die du dich heute mehrmals erinnern möchtest, die du heute mehrmals im Kontakt mit anderen nutzen möchtest. Beobachte, was passiert.

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    Inspirationen Geist, Inspirationen

    Yoga auf Dauer genießen…

    Im Laufe der Zeit erleben wir das, auch wenn wir mit sehr enthusiastisch angefangen haben:

    Die Übungen kommen uns langsam bekannt vor und etwas Langeweile zieht ein. Dazu ein paar trägere Tage, an denen man nicht Yoga üben mag – es entsteht ein Abstand. Was man erst so liebte, verliert seine Farbigkeit, sein Feuer. Doch irgendwie erinnern wir uns gut an die vielen positiven Effekte der Yogastunden und irgendwie wollen wir auch wieder dorthin zurück – aber wie? Was können wir tun, um unsere Beziehung zum Yoga frisch zu halten (gilt das auch für andere Lebensbereiche?)?

    • Routine unterbrechen: Eine Auszeit, die wir bewusst anders gestalten z.B. mit einer anderen „Sportart“ kann Wunder wirken. Halte deinen Blick aber noch auf das Yoga: „Was ist der Unterschied zwischen Basketball und Yoga?“ (;-) Manchmal entsteht so ein neues Feuer.
    • Routine verändern: Ein – etwas beharrlicherer – Weg ist es, nicht das Yoga zeitweise zu verlassen, sondern die Routine bewusst und leicht zu verändern. Das können veränderte Übungsabläufe sein oder unterschiedliche innere Aufgaben, die wir uns stellen: Heute übe ich, während der Stunde private Pausen zu machen, auch wenn die anderen „am Ball“ bleiben. Oder: Heute halte ich die ganze Zeit meine Aufmerksamkeit auf den Atem. Theoretisch Veranlagte können ihr Nachdenken und Lesen mal von der Yogaphilosophie zur Anatomie, zu den Yamas und Niyamas… lenken und neue Gebiete erforschen. Vielleicht probieren mir mal eine andere Yogalehrerin / einen anderen Yogalehrer oder Yogastil aus? Ganz sicher ist dieser beharrliche Weg empfehlenswert, wenn wir unseren Geist zur Ruhe bringen wollen.
    • Gourmet-Fokus innen: Kein Hobbygourmet verliert die Lust am Essen oder argumentiert damit, dass er Kartoffeln schon unzählige male gegessen hätte. Er ist konzentriert auf die besondere Zubereitung dieses Gerichts. Er zelebriert sein Essen, dass er gewiss nicht vor der Tür eines Fastfood-Restaurants hinunterschlingt: Augen und Nase und Herz essen mit. Ähnlich könnten wir unser Yoga zelebrieren, unsere Achtsamkeit auf diese Praxis jetzt legen und uns bewusst dem Genießen zuwenden – jedesmal neu. Wie genau? Finde es für dich heraus.

    Egal, was du gerade tust, schließe jetzt die Augen und mit jedem Atemzug lass das Thema „Genuss“ in dir groß werden. Dieser Atemzug… bewusst…

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    Schwingung – Resonanz – Spiel | Deine Musik in Deinem Leben

    Manchmal können wir so herrliche Analogien ziehen und Anregungen und Impulse für das eigene Leben werden lebendig. Im Yoga wird oft von Schwingungen (Vibrations) gesprochen und Musiker haben sogleich konkrete Assoziationen. Also los, probieren wir es mal und denken es durch:

    1. Jedes akustische Musikinstrument erzeugt eine Anfangsschwingung, die einen oft kleinen, leisen Ton erzeugt: Die Gitarrensaite schwingt oder die kleinen Stimmbänder produzieren einen erst mal recht mageren Summton.
    2. Jetzt kommt etwas Spannendes hinzu – der Resonanzraum. Es sind die Räume, die die anfänglichen Schwingungen verstärken und lauter und schöner werden lassen: Der Gitarrenkorpus und – bei der Stimme – der Brustraum, die weite Kehle, der Mundraum, die Nasennebenhölen und die Stirnhöle.
    3. Und wenn diese Anfangsschwingung auf diese Weise verstärkt und veredelt ist, beginnen wir zu üben und Musik zu machen: Verschiedene Töne formen sich zu Rhythmen, Melodien und Harmonien. Wunderbar – so weit zur Musik.

    Lass uns mal dieses Modell auf das eigene Leben und unsere Lebensgestaltung übertragen: Was ist meine eigene Schwingung, wo ist mein verstärkender Resonanzboden und welche Musik kann ich damit spielen? Hier kann ich nur Fragen stellen, mit denen du arbeiten kannst – vielleicht kannst du dich auch mit jemanden darüber austauschen (in Resonanz gehen) …

    1. Meine Anfangsschwingung: Was möchte ich tun? Was kann ich gut? Was möchte ich auf- und ausbauen?
    2. Mein stärkender Resonanzraum: Wem kann ich mich mitteilen? Wer schwingt ähnlich? Mit wem kann ich das vertrauensvoll besprechen? Wer könnte mich unterstützen und begleiten und könnte sich freuen über meine Begleitung?
    3. Üben, Spielen und Tun: Mit wem und für wem kann ich üben und spielen und tun? Wie bringe ich „meine Musik“ in die Welt für mich und für andere?

    „Ins Wasser fällt ein Stein…“ – dieses Lied drückt ganz wunderbar aus, wie kleine Impulse erst kleine, dann große Kreise ziehen können.

    Ich wünsche Euch viel Mut und Freude damit – wenn ihr mögt und es für euch an der Zeit ist – diese Idee für euch zu bewegen und sie zu teilen. Es ist wunderbar, wenn wir in uns angelegte Wünsche/Talente (Anfangsschwingungen) entfalten (verstärken) und zum klingen bringen (spielen). Dabei ist es nicht hilfreich, auf spätere Erfolge (Anerkennung durch andere) zu schielen und diese Anregung braucht Zeit und Geduld: Möge aber jede noch so kleine Bewegung eine geteilte Freude sein!

    Deine Yogalehrer*innen stehen dir als Resonanzräume eigentlich immer zur Verfügung, deine Freund*innen, deine Projektpartner*innen und wenn nötig auch Coaches und Psychologen – keine Scheu!

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    Mit Freude weiter üben – immer wieder neu: Verfeinern, Anfängergeist, Tiefe

    Vielleicht kennst du das:

    Du hast mit etwas Neuem begonnen und die Begeisterung ist überwältigend oder zumindest groß. Ein neues Gedankenthema, eine neue Sportart, ein neuer Beruf oder ein neues Hobby im weitesten Sinne. Du machst das eine Zeit lang und irgendwann hast du dich daran gewöhnt. Reden wir vom Yoga: Irgendwann fallen dir die Übungen leicht(er), die positiven Effekte haben sich eingestellt auf den verschiedenen Ebenen – körperlich, emotional, und intellektuell. Und das, was du erreicht hast, wird zum „neuen Normal“ und das Feuer (Agni) lodert weniger hoch. Gibt es da noch was? Und – völlig wertneutral – ergeben sich zwei Möglichkeiten: Gehst du in die Breite oder magst du in die Tiefe gehen?

    • Und dann möchten wir manchmal ein neues Feuer, eine neue Begeisterung und suchen und finden ein neues Hobby, ein neues Thema, eine neue Disziplin, eine neue Herausforderung, eine neue Partnerschaft und – im Yoga – eine neue Yogarichtung. Warum nicht, ist doch völlig okay. Natürlich. Wir gehen in die Breite und sammeln ganz viele (neue) Erfahrungen, fein.
    • In einem Buch über „Zen-Buddhismus“ bin ich über das Wort „Anfängergeist“ gestoßen: Auch bei einer konstant bleibenden Praxis bleibe ein Anfänger, kehre zurück zu deiner Neugier, untersuche deine Praxis noch genauer und bleibe bei deiner Praxis: Verfeinere deine Wahrnehmung und die Intensität. Wir gehen in die Tiefe und machen tiefe Erfahrungen. Die Veränderung findet nicht im Äußeren, sondern im Inneren statt, auch fein.

    Je nach Alter und Mentalität werden wir von der „breiten Erfahrung“ zur „intensiven Erfahrung“ wechseln, abschnittsweise hier bleiben und dort hin gehen und doch ahnst du schon, wohin dich dieser Artikel einladen möchte: Irgendwann – egal wann – bleibe! Für die Musiker unter uns: Schön, wenn du 10 Instrumente ganz ordentlich bedienen kannst, doch irgendwann wird es Zeit, die Sprache der Musik und die Möglichkeiten deines Instrumentes wirklich intensiv zu erkunden – oder auch nicht (;-).

    Im Laufe der (z.B. Hatha-)Yogapraxis wird es immer wieder zu Gewöhnungs- und Ermüdungserscheinungen kommen. Das ist völlig normal. Wenn du „in die Tiefe“ gehen willst, bietet dir der Yogaweg aber ganz viele Aspekte, die du in deiner Praxis betonen oder fokussieren kannst, sodass dein Geist genug Nahrung findet und nicht abschweift. Während du übst, kannst du dich mit so vielen Dingen auseinandersetzen – suche dir einen inspirierenden Lehrer / eine inspirierende Lehrerin, wenn du alleine „steckenbleibst“:

    • Apekte und Ziele im Bereich der Lebensführung (Yamas und Niyamas) mit der Möglichkeit, neue Ziele für dich zu entdecken, das alltägliche Tun wirklich in Übereinstimmung zu bringen mit dem, was du eigentlich wünscht.
    • Aspekte und Ziele im Bereich des Körpers (Asanas) in großer Dankbarkeit für dieses vielseitige und formbare und erlebbare Wunderwerk.
    • Aspekte und Ziele im Bereich von Emotionen und Gedanken mit neugieriger Beobachtung: Was passiert eigentlich in meinem Geist?
    • Aspekte und Ziele im Bereich der Möglichkeit zu klaren Erkenntnissen: Was weiß ich eigentlich wirklich und was spult mir mein Geist wie eine alte programmierte Schallplatte täglich fast unbemerkt ab?
    • Aspekte und ZIele im Bereich der „Wachheit“ – wie oft am Tag bin ich wirklich präsent und bewusst?
    • Und während du in diesen Bereichen arbeitest, stellt sich vielleicht auch die spirituelle Fragen nach dem „Wer bin ich“…

    Wir haben in diesem Aufsatz betrachtet, dass wir „breite“ und/oder „tiefe“ Erfahrungen in allen Lebensbereichen machen können. Und du wurdest eingeladen, ein neugieriger und forschender „Anfängergeist“ in deiner Disziplin zu bleiben und dich darin zu üben. Der Yogaweg ist breit genug, immer wieder neue Aspekte neu zu erkunden.

    Schön, wenn dich dieser Artikel zum „dranbleiben“ inspiriert.

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    Inspirationen Ethik, Inspirationen Energie, Inspirationen Geist, Lars

    Weiblich&Männlich – Beziehungsgedanken

    • John Eldredge: Der ungezähmte Mann, Brunnen-Verlag
    • Raphael M. Bonelli: Frauen brauchen Männer. Und umgekehrt, Kösel-Verlag
    • Björn Süfke: Männer, erfindet euch neu – was es heißt, ein Mann zu sein, Mosaik-Verlag
    • Andrea und Veith Lindau: Königin und Samurai. Wenn Frau und Mann erwachen, Kailash-Verlag

    eine Betrachtung jenseits von schwarz und weiß

    Ja, es gibt schwarz und weiß – ganz selten nur reines schwarz oder reines weiß – und es gibt ganz besonders viele Schattierungen dazwischen. Wenn wir hier über weiblich und männlich nachdenken, legen wir keinen Menschen fest, beschreiben aber Eigenschaften, die durch die Forschung mittlerweile durchaus als typisch benannt werden.

    Selbstredend hat jeder Mensch beide Anteile in ganz einzigartigen Mischungsverhältnissen.

    Als Mann und Frau schuf er ihn (den Menschen).

    Genesis 1, Bibel

    Vom Nutzen der Betrachtung

    Mögen diese Betrachtungen zur gegenseitigen Wertschätzung der beiden Aspekte führen und den Umgang mit der Unterschiedlichkeit erleichtern.

    Ich denke, dass die Frage nach Weiblichkeit und Männlichkeit für unsere eigene Entwicklung wichtig ist, für die Gestaltung der Beziehung zwischen Mann und Frau und für die Frage des Umgangs mit uns anvertrauten. Besonders meine ich hier unsere eigenen Kinder. Aber auch Kindergärten und Schulen sollten bewusst mit diesem Thema umgehen.

    Forschung und Bücher

    Die längste Zeit meines Lebens habe ich mich nicht in das Thema Männlichkeit und Weiblichkeit vertieft, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten irgendwie wahrgenommen und über die Beziehung dieser Möglichkeiten (in Begegnung mit anderen Menschen oder innerhalb der eigenen Person) wenig nachgedacht. Tatsächlich empfand ich da so einige Hindernisse, wie sie auch Björn Süfke im Bereich der psychologischen Forschung beschreibt: Man will ja nicht einseitig sein, Klischees bedienen, das Eine gegen das Andere ausspielen. So gibt es aber wunderbare Bücher zum Thema, die weder biologistisch in die Ecke drängen, noch Unterschiede verdrängen. Der Wiener Psychiater Raphael M. Bonelli beschreibt sehr schön, wie beide Seiten – sich ihrer Begabungen bewusst – sich in gelingenden Beziehungen ergänzen können. Gleichzeitig legt er auch ganz eindrücklich durch viele Fallberichte dar, wie nahe der Weg zum Pathologischen ist, wenn die eine oder andere Seite sich isoliert entwickelt. Für die gemeinsame Entfaltung von Männlichkeit und Weiblichkeit werben auch Andrea und Veith Lindau, die in ihrem Buch diesen gemeinsamen Akt die „Co-Creation“ nennen. „Am Du wird der Mensch zum Ich“ (Martin Buber) – Erst an der Begegnung mit der Frau entdeckt der Mann den umfassenden Sinn seines Talents zur Männlichkeit. Und für Frauen gilt das Gleiche umgekehrt. (Bonelli) Im Anerkennen und Vertrauen in die jeweils andere Begabung wird unserer Generation, besonders den „Millenials,“ eine große Unsicherheit und Widersprüchlichkeit attestiert.

    Wenngleich sich kein Setting schaffen lässt, in dem die sozio-kulturellen Bedingungen gänzlich ausgeblendet werden können, benennt die psychologische Forschung mit großer Sicherheit typisches Geschlechterverhalten. Bonelli grenzt diese Ergebnisse streng von Vorurteilen ab und rehabilitiert den Begriff des Stereotyps – viele Stereotypen konnten empirisch nachgewiesen werden. Das Bild, das wir von uns mehr oder weniger bewusst von Männern und Frauen machen, ist also gar nicht so unscharf, wie wir es so oft befürchten.

    Der Psychater beschreibt die menschliche Konstitution mit den griechischen Begriffen Soma (Leib), Thymos (Lebenskraft, Gemütslage) und Noos (geistiges Erfassen). – die ersten drei Koshas in der Yogaphilosophie benennen die selben Ebenen (Körper, Emotionen, Gedanken). Anhand dieser drei Begriffe entfaltet er die männlichen und weiblichen Begabungen, arbeitet aber auch deren Schattenseiten heraus:

    Er stellt dar, dass sogar auch die medizinische Forschung mittlerweile männliche und weibliche Körper endlich einzeln untersucht (die Körperzellen und Organfunktionen unterscheiden sich sehr: Ein weiblicher Organismus reagiert auf Medikamente anders, als ein männlicher. Ein weiblicher Schlaganfall äußert sich anders, als der gut erforschte männliche.

    Bonelli fasst auch Erkenntnisse der Psychologie zusammen und beschreibt, dass auch die Gehirne von Männern und Frauen anders funktionieren und das Gefühlsleben sich unterscheidet. Frauen bedienen eher die weiße Substanz, Männer eher die graue Substanz: Frauen nehmen assoziativ war und lösen so Probleme, Männer nehmen eher spezielle Details war und haben bei der Bearbeitung von Problemen eher den „Tunnelblick“. Beide Arten haben da Vorteile. So hat man mittlerweile auch bei der Entwicklung von IQ-Tests dazugelernt und eher „weibliche“ Aufgabentypen hinein genommen. Bislang kamen die Designs eher den männlichen Fähigkeiten entgegen.

    ein energetischer Zugang mit ähnlichen Feststellungen

    Energetisch betrachtet scheint mir das weibliche Prinzip von unten nach oben zu fließen (Muladhara aufwärts) mit den entsprechenden Qualitäten und das männliche von oben nach unten (Sahasrara abwärts):

    1. Mudladhara: Sicherheit, Närend, Akzenptanz (Erde)
    2. Svadhisthana: Kreativität, Beziehung, Genuss (Wasser)
    3. Manipura: Ich-Stärke, Selbstbewusstsein, Willens- und Durchsetzungskraft (Feuer)
    4. Anahata: Liebe, Mitgefühl, Hingabe (Wasser)
    5. Vishudda: Kommunikation, Wahrheit, Zuverlässigkeit (Luft)
    6. Ajna: Erkenntnis, Ratio, Konzentrationsfähigkeit (Raum)
    7. Sahasrara: Spiritualität, Öffnung für „höheres“

    Wenn man diese Eigenschaften nun von unten nach oben (weiblich) und danach von oben nach unten liest (männlich), kommt man zu Schwerpunkten in der Beschreibung der Geschlechter, wie sie auch Bonelli referiert:

    • Das männliche Prinzip ist eher rational, denkt gerne in Systemen und folgt dem Prinzip „Stärke“.
    • Das weibliche Prinzip steht mehr mit dem konkreten Leben, wie es ist, in Kontakt, denkt gerne assoziativ und folgt dem Prinzip „Fürsorge“.

    Erstaunlich, wie nah uns die aktuelle Forschung (Stand 2019) zu den Aussagen der alten Lehren (auch Yin/Yang) bringt. Nochmal: Niemand ist nur so oder nur so. Wir sehen aber, dass Männer und Frauen sich oft anders verhalten, anders wahrnehmen, interpretieren und sich mit verschiedenen Dingen gerne beschäftigen.

    Begegnung von weiblich und männlich

    Bonelli beschreibt sehr schön, wie beide Geschlechter sich bewusst begegnen und bereichern können, sich gegenseitig ergänzen. Energetisch gesehen ist der Treffpunkt der Geschlechter im Anahata-Chakra. Es liegt genau in der Mitte der Energieströme.

    Im Yoga gibt es (im Individuum) das gleiche Ziel: Die Begegnung und Erkenntnis von Energie und Bewusstsein, von Brahman und Atman, von Kundalini und Shiva.